Waldbrandbekämpfung kennt keine Grenzen

Waldbrandbekämpfung kennt keine Grenzen

 

Zwölf Einsatzkräfte aus Göttingen und Goslar nehmen am internationalen „Forest Camp 2026“ in Polen teil

 

Golabki/Polen. Wie anspruchsvoll die Bekämpfung von Wald- und Vegetationsbränden unter extremen Bedingungen sein kann, erlebten niedersächsische Einsatzkräfte der zentralen Landeseinheit zur Vegetationsbrandbekämpfung, hierunter zwölf Kameraden der Einheit II Göttingen/Goslar, Ende Juni in Polen. Beim internationalen „Forest Camp 2026“ trainierten rund 120 Feuerwehrangehörige aus 19 Nationen gemeinsam verschiedene Taktiken und Techniken zur Bekämpfung von Wald- und Vegetationsbränden.

 

Die niedersächsische Einheit machte sich am 25. Juni auf den rund 550 Kilometer langen Weg nach Golabki in Zentralpolen. Nach einer etwa achtstündigen Anreise folgten drei intensive Ausbildungstage, bevor die Einsatzkräfte am 29. Juni die Rückreise nach Niedersachsen antraten.

 

Das Ausbildungscamp war international besetzt. Neben zahlreichen europäischen Ländern waren unter anderem auch Teilnehmer aus den USA und Südafrika vertreten. Die gesamte Ausbildung fand auf Englisch statt. Neben den fachlichen Erfahrungen bot das Camp damit auch die Möglichkeit, sich mit Feuerwehrangehörigen aus anderen Ländern auszutauschen und internationale Kontakte zu knüpfen.

 

Ausbildung unter extremen Bedingungen

Die Ausbildungstage waren anspruchsvoll: In jeweils vier Ausbildungseinheiten am Vor- und Nachmittag wurden unterschiedliche Einsatzsituationen trainiert. Die Teilnehmer wurden morgens gegen 9:30 Uhr mit Bussen in das Übungsgebiet gebracht und kehrten gegen 17:30 Uhr zurück. Das Mittagessen wurde während der Ausbildung im Gelände eingenommen.

 

Besonders herausfordernd waren die hohen Temperaturen. Das Camp fand am bis dahin heißesten Wochenende des Jahres statt. Am 28. Juni wurden 41,3 Grad Celsius gemessen. Die persönliche Schutzausrüstung musste trotzdem über den gesamten Ausbildungstag getragen werden. Zusammen mit der körperlich sehr anstrengenden Arbeit und der zusätzlichen Hitze von realen Feuerstellen stellte dies eine erhebliche Belastung für die Einsatzkräfte dar.

 

Löschen mit einfachen Mitteln

Ein Schwerpunkt lag auf dem Einsatz von Handwerkzeugen. Bei Vegetationsbränden steht nicht überall unmittelbar ein Löschfahrzeug oder eine ausreichende Wasserversorgung zur Verfügung. Deshalb müssen Feuerwehrangehörige in der Lage sein, Feuer auch mit einfachen und mobilen Mitteln zu bekämpfen.

 

Zum Einsatz kamen beispielsweise sogenannte „Beater“. Dabei handelt es sich um flexible, paddelartige Werkzeuge, mit denen Flammen und Glut durch gezieltes Ausschlagen bekämpft werden können. In Kombination mit Löschrucksäcken wurde das taktische Zusammenspiel dieser Werkzeuge an einer realen Brandfläche geübt.

 

Auch die Bekämpfung eines Feuers ohne Wasser stand mehrfach auf dem Programm. Die Einsatzkräfte legten sogenannte Wundstreifen beziehungsweise Kontrolllinien an. Dabei wird die brennbare Vegetation bis zum Boden entfernt, um dem Feuer den Brennstoff zu entziehen und seine weitere Ausbreitung zu verhindern.

 

Anschließend wurde eine reale Brandfläche von etwa 20 mal 20 Metern ausschließlich mit Handwerkzeugen bekämpft. Die Übung wurde erfolgreich abgeschlossen.

 

Wasser dort finden, wo zunächst keines zu sehen ist

Eine besondere Herausforderung bei Waldbränden ist die Wasserversorgung. In abgelegenen Waldgebieten gibt es häufig keine Hydranten oder andere unmittelbar nutzbare Wasserentnahmestellen. Deshalb trainierten die Teilnehmer, in unbekanntem Gelände anhand der vorhandenen Vegetation und der örtlichen Gegebenheiten nach geeigneten Wasserstellen zu suchen. Nach der erfolgreichen Suche wurde eine Wasserförderung aufgebaut.

 

In einer weiteren Übung musste eine etwa 400 Meter lange Wasserversorgung zu einem Übergabepunkt aufgebaut werden. Das Gelände war durch zwei größere Hügel geprägt. Unterstützend konnten Quads eingesetzt werden. Die Aufgabe war Teil einer Challenge. Am schnellsten bewältigten sie die niederländischen Teilnehmer. Für die Einsatzkräfte aus Niedersachsen war insbesondere interessant zu sehen, wie in anderen Ländern mit deutlich anderen Vorgehensweisen gearbeitet wird.

 

Vierhundert Meter Schlauchleitung und ein echtes Feuer

Auch der Umgang mit langen Schlauchleitungen wurde intensiv trainiert. Dabei ging es unter anderem darum, eine bereits unter Druck stehende Schlauchleitung im Einsatzfall zu verlängern. So entstand eine rund 400 Meter lange Verbindung zwischen Wasserentnahmestelle und Strahlrohr. Im Verlauf wurde die Bekämpfung brennender Bodenvegetation in einem Waldgebiet simuliert. Schließlich musste eine reale Brandfläche von etwa 20 mal 40 Metern bekämpft werden – dies ebenfalls mit Erfolg.

 

Eine weitere Herausforderung bestand darin, einen 400-Liter-Wasserbehälter möglichst schnell zu füllen. Dazu bildeten die Teilnehmer eine Menschenkette und transportierten Wasser aus einem See mittels historischen Wassereimern. Neben dem Spaßfaktor vermittelte diese Übung auch einen Eindruck davon, wie mit einfachsten Mitteln eine Wasserversorgung improvisiert werden kann.

 

Nachlöscharbeiten bei 41,3 Grad

Besonders fordernd war die Ausbildung zum sogenannten „Mop Up“. Damit sind die Nachlöscharbeiten nach einem Vegetationsbrand gemeint. Auch hierbei wurde vollständig auf Wasser verzichtet und ausschließlich mit Handwerkzeugen gearbeitet. Ziel ist es, Glutnester aufzuspüren und zu beseitigen, damit sich ein scheinbar gelöschtes Feuer nicht erneut ausbreitet. Die Übung fiel auf den heißesten Tag des Camps mit 41,3 Grad Celsius. Zusätzlich sorgte das Feuer selbst für eine erhebliche Wärmebelastung.

 

Der Ernstfall hinter dem „Fireshelter“

Einen besonders eindrücklichen Moment erlebten die Teilnehmer bei der Ausbildung zum sogenannten Fireshelter. Dabei handelt es sich um eine spezielle Schutzhülle, die Feuerwehrangehörigen bei einem plötzlich außer Kontrolle geratenen Vegetationsbrand als letzte Schutzmöglichkeit dienen kann. Zunächst wurde die Anwendung theoretisch vermittelt. Anschließend konnten die Teilnehmer freiwillig selbst einmal in einem solchen Schutzsystem Platz nehmen. Von außen wurden die durch das Feuer entstehenden Winde und Geräusche simuliert. Die Übung hatte für die Teilnehmer eine besondere Bedeutung, da sich erst am Vortag in den USA ein tödlicher Waldbrandunfall ereignet hatte, bei dem Einsatzkräfte ein Fireshelter als letzte Möglichkeit nutzen mussten und nicht überlebten. Dadurch wurde unmittelbar deutlich, dass es sich bei dieser Ausbildung nicht um eine theoretische oder alltägliche Feuerwehrübung handelt, sondern um eine Maßnahme für eine absolute Notlage. Die Überlebenschancen in einer solchen Situation sind nicht sicher.

 

Internationale Erfahrungen für zukünftige Einsätze

Neben den praktischen Übungen beschäftigten sich die Einsatzkräfte auch mit taktischen Entscheidungen. In einem Planspiel wurde eine Einsatzsituation aufgearbeitet, die sich im Zusammenhang mit dem europäischen Vegetationsbrandeinsatz im Jahr 2025 in Spanien ereignet hatte.

 

Darüber hinaus gehörten unter anderem kontrolliertes Brennen, der Einsatz von Drohnen zur Lageerkundung sowie weitere internationale Methoden der Vegetationsbrandbekämpfung zum Ausbildungsprogramm.

 

Gerade der internationale Vergleich war für die Teilnehmer besonders wertvoll. Wald- und Vegetationsbrände machen nicht an Landesgrenzen halt. Die unterschiedlichen Erfahrungen und Vorgehensweisen der beteiligten Nationen können deshalb auch für zukünftige grenzüberschreitende Einsätze von großer Bedeutung sein.

 

Ein besonderes Erlebnis für die niedersächsischen Einsatzkräfte

Nach fünf Tagen kehrten die Kameraden der Einheit II Göttingen/Goslar mit zahlreichen neuen Erfahrungen nach Niedersachsen zurück.

 

Das Fazit fällt entsprechend positiv aus: Das „Forest Camp 2026“ war fachlich äußerst lehrreich und zugleich ein besonderes Gemeinschaftserlebnis. Die Zusammenarbeit mit Feuerwehrangehörigen aus 19 Nationen, die anspruchsvollen Übungsszenarien und die Ausbildung unter extremen Wetterbedingungen machten das Camp zu einem besonderen Höhepunkt.

 

Vor allem zeigte die Ausbildung, dass erfolgreiche Vegetationsbrandbekämpfung mehr bedeutet, als das klassische Löschen eines Feuers mit Wasser. Wenn Wald und Vegetation brennen, müssen Einsatzkräfte unter Umständen kilometerweit Schläuche verlegen, Wasserquellen suchen, Feuer mit Handwerkzeugen bekämpfen, Kontrolllinien anlegen und Entscheidungen in unübersichtlichem Gelände treffen.

 

Das internationale Training in Polen hat den Teilnehmern deshalb nicht nur neue Techniken vermittelt, sondern auch gezeigt, wie wichtig Erfahrung, Improvisationsfähigkeit, körperliche Belastbarkeit und internationale Zusammenarbeit bei der Bekämpfung großer Vegetationsbrände sind.

Fotoserien

Waldbrandbekämpfung kennt keine Grenzen (DO, 20. August 2026)

Weitere Informationen

Veröffentlichung

Do, 20. August 2026

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